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Praktikumsbericht aus Logroño / Spanien

Die Anreise:
Zu Beginn meines Praktikums flogen wir von Düsseldorf nach Bilbao und wollten von dort aus mit einem Bus nach Logroño. Doch dort gab es die erste Schwierigkeit, da der nächste Bus ausgebucht war. Da wir nun anderthalb Stunden warten mussten, war meine erste Erfahrung mit Spanien, durch Bilbao zu schlendern und die Läden zu betrachten. Noch wirkte alles so wie in Deutschland. Der einzig merkbare Unterschied war es, dass alle Schilder auf Spanisch zu sehen waren.
Nachdem wir schließlich in Bilbao angekommen waren, begrüßte uns unten in einem Kaffee unser Vermieter Eduardo. Er führte uns durch die schicke Wohnung, zeigte uns die Einrichtung, übergab uns die Schlüssel und erklärte anhand einer Karte, was für Orte wir besuchen könnten. Sein Englisch war zwar ein wenig gebrochen, aber es war doch irgendwie möglich, sich mit ihm zu verständigen und alles Wichtige abzusprechen. Nachdem man Nummern ausgetauscht hatte, verließ er uns. Nun war unser erster Schritt, einzukaufen.
Nach einem ausgelassenen Wochenende war es am Montag nun an der Zeit, sich im Betrieb vorzustellen. Wir hatten die Unterstützung unseres Lehrers und einer Lehrerin von einer spanischen Universität, aber trotzdem war man etwas nervös. Das Vorstellen lief noch etwas holprig ab, aber der Empfang war nett und man fühlte sich sehr willkommen.

Der Betrieb und Arbeiten:
In Spanien arbeitete ich bei DHL Logropal SL. Bzw. DHL Express SL. Es liegt ein Stück außerhalb der Innenstadt von Logroño und hat die Adresse:
Calle Santa Maria 15
Poligono La Portalada II
Logroño, 26006 Spain
Im Vergleich zu meinem Ausbildungsbetrieb war es um einiges kleiner und familiärer. Meine Kommunikation mit den Kollegen lief hierbei hauptsächlich in Englisch ab, wodurch ich meine Sprachkenntnisse in der Praxis testen konnte.
Ein großer Unterschied waren aber auch die Arbeitszeiten, diese waren eine ziemliche Umstellung für mich. Die Mittagspause betrug drei Stunden, im Gegensatz zu den 30 Minuten in Deutschland. Nachdem man sich aber einmal dran gewöhnt hat, kommt man auch gut damit klar.
Meine Aufgaben waren in zwei Hauptbereiche geteilt: Am Morgen von 8:30 bis 13:30 war ich im Büro in der Verwaltung tätig und nachmittags von 16:30 bis 19:30 arbeitete ich körperlich im Bereich DHL Express.
Eine meiner liebsten Aufgaben war es jedoch, Tabellen mit eingegangenen und ausgegangenen Anrufen zu bearbeiten, damit sie ausgewertet werden können. Ich hatte für diese Aufgabe reichlich Zeit bekommen. Ich wusste hier lediglich was das Ziel ist und konnte mittels des Internets selbst recherchieren, wie ich dieser erreiche. Hierdurch konnte ich meine Kenntnisse in der Arbeit mit Excel etwas vertiefen und meinen eigenen Kopf benutzen.
Während meines Aufenthalts hat mein Vorgesetzter mich sogar mitgenommen, um ein paar Betriebe unserer Kunden zu besichtigen. Diese wären EMKA Beschlagteile, Calzados Évori und Calzados Victoria.
Bei EMKA Beschlagteile handelt es sich um ein Unternehmen, welches Dichtungen, Verschlüsse und andere Teile für Sicherungsschränke etc. herstellt. In der Niederlassung, welche ich besuchen durfte, werden Dichtungen aus Gummi produziert. Geführt wurden wir von einem Deutschen, wodurch die Kommunikation reibungslos ablief. Der Besuch war sehr interessant und hat mir einen Einblick in die Produktion verschaffen können. Außerdem habe ich viele Informationen über die Struktur des Unternehmens erhalten.
Calzados Évori ist ebenfalls eine Fabrik, hier konnte ich einen kurzen Einblick in die Produktion handgefertigter Schuhe erhalten.
Unser letzter Halt war Calzados Victoria. Auch hier ging es um Schuhe, jedoch war es diesmal keine Fabrik, sondern ihr Lager, von welchem die Ware versandt wird. Da mein eigenes Gebiet die Lagerhaltung ist, konnte ich die Prozesse gut nachverfolgen und verstehen. Ebenfalls habe ich andere Vorgehensweisen und Techniken gesehen, welche mir bereits aus der Schule bekannt waren, welche ich aber noch nicht im Einsatz erlebt habe. Diese wären RFID Sender in den Schuhen und ein automatisches Kleinteilelager, welches eine direkte Verbindung zu einem Put-to-light Kommissionierbereich hat.
Zweimal die Woche gab es auch Englischunterricht, an welchem ich teilhaben durfte. Diesen habe ich sehr genossen, da ich hier meine Sprachkenntnisse noch ein wenig erweitern konnte. Außerdem war ich froh, mit meinen bisherigen Kenntnissen und Fragen, welche meine Kollegen an mich hatten, den Unterricht aufzufrischen.

Freizeit und Kultur:
Es gibt viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Leben in Deutschland.
Da lange Mittagspausen und Mittagsschläfe in Spanien recht verbreitet sind, kommt es einem als Deutscher manchmal komisch vor, zu späten Stunden noch viele Kinder auf den Straßen zu sehen.
Allgemein schien das Abendleben nach hinten geschoben zu sein, man geht später nach draußen und bleibt länger weg.
Eine beliebte Aktivität für die Abende ist es, sich mit Freunden und Kollegen zu treffen und gemeinsam durch diverse Bars zu ziehen. Hierbei bleibt man meist aber nicht zu lange an einem Ort. Man bestellt sich ein Glas Wein oder Bier und dazu eine Tapa (ein kleiner Imbiss zum Getränk) und wenn man fertig ist, geht die Gruppe zur nächsten Bar. Auf dem Boden zwischen den Bars war auch eine merkwürdige Schlangenlinie zu finden. Diese stellt den „Elefanten-Weg“ dar. Er zeigt einen klassischen Weg von Bar zu Bar und mit jedem Mal wird die Linie gewundener. Dies stellt einen Betrunkenen dar, der mehr und mehr wie ein Elefant torkelt.
Doch wird nicht immer Alkohol getrunken, um Spaß zu haben, oft trifft man sich mit Freunden auch einfach in einem Kaffee oder Park. Allgemein sind die Spanier mehr außer Haus als die Deutschen.
Ich selbst hatte auch viel Spaß daran, mich einfach ein wenig in der Stadt umzusehen und sie zu erkunden.
Auch hatte ich das Glück, dass während meines Aufenthalts ein betrieblicher Ausflug stattfand. Wir sind an meinem letzten Samstag zusammen Golf spielen gegangen. Normalerweise wäre der jährliche Ausflug im Januar gewesen, aber dank glücklicher Umstände lag es dieses Mal im Oktober.
Zunächst haben wir uns gemeinsam in der Innenstadt getroffen und sind von dort aus in einem Reisebus zum Golfclub gefahren. Im Golfclub gab es zwei Aktivitäten für uns, zum einen eine Art Minigolf und zum anderen ein Weitschlagen. Auch wenn ich bei beiden nicht sonderlich gut war, hatte ich viel Spaß dank der angenehmen Gesellschaft.
Im Anschluss haben wir im Golfclub zu Mittag gegessen und haben uns nach einer Siegerehrung auf den Weg zurück in die Innenstadt gemacht. Einige gingen bereits nach Hause und andere, so auch ich, sind in eine Karaokebar gegangen und haben dort gefeiert. Auch beim Feiern waren meine Arbeitskollegen sehr offen und haben mich familiär behandelt. Meistens konnte ich nicht einmal für mich selbst bezahlen, da man mir alles ausgeben wollte.
Fazit:
Letztendlich habe ich den Aufenthalt in Spanien sehr genossen und bin froh, an diesem Projekt teilgenommen haben zu dürfen. Meiner Meinung nach hat es meiner persönlichen Entwicklung sehr gutgetan. Durch die Konfrontation mit dieser neuen Situation bin ich ein wenig offener geworden und nichtmehr so zurückhaltend. Meine Englischkenntnisse haben sich wohl nicht signifikant gesteigert, aber die Anwendung meiner Kenntnisse hat sich durch die Praxis definitiv gefestigt. Auch meine Selbstständigkeit ist durch den Aufenthalt größer geworden. Ich hatte zwar meine Mitbewohner, aber auch diese kannte ich vorher nur flüchtig von einem Abend in der Schule. Dementsprechend war ich in einem fremden Land, in einem mir bis dato unbekannten Betrieb und musste schauen, wie ich zurechtkomme.
Auch meine technischen Kenntnisse haben vom Aufenthalt profitiert. Bei der Arbeit mit Word und vor allem Excel habe ich ein paar neue Sachen hinzugelernt und da diese Programme sowie andere Office-Anwendungen sehr verbreitet sind, hilft mir das sicher in vielen Situationen weiter.
Doch auch wenn mir der Aufenthalt sehr gefallen hat, denke ich nicht, dass ich in der Zukunft nach Spanien ziehen möchte. Die Deutsche Lebensweise sagt mir doch mehr zu als die Spanische.
Negativ habe ich über den Aufenthalt nicht viel anzumerken, die meisten Dinge, die anfangs negativ erschienen, wie die Arbeitszeiten, waren okay, nachdem man sich an sie gewöhnt hat. Lediglich die Kommunikation stellte manchmal ein Problem dar, aber darauf war ich bereits vorher eingestellt.
Hendrick Wallesch, Erasmus+ – Praktikant im Oktober 2019