Wie arbeiten Betriebe in China? Auszubildende des Hansa Berufskollegs Unna erkunden Shanghai!

Im Frühjahr besuchten erstmals Schülerinnen und Schüler der chinesischen Economic Management School in Shanghai das Hansa Berufskolleg und staunten über die Beschaulichkeit des Städtchens Unna. Kein Wunder, wenn man aus einer 23-Millionen-Metropole kommt, die jedes Jahr um 600.000 Einwohner wächst!

Wie würden sich nun also unsere Auszubildenden in Shanghai zurechtfinden?

Besuch chinesischer Zulieferunternehmen

Der Austausch zwischen dem Hansa Berufskolleg und der Shanghai Economic Management School ist Element eines einzigartigen Pilotprojektes: Erstmals können Auszubildende aus den Bereichen Großhandel, Spedition und Duales Studium ein Zertifikat mit Schwerpunkt Asien erwerben.

Vorbereitet wurden die Teilnehmer im Rahmen eines intensiven landeskundlichen undsprachlichen Vorbereitungsseminars zum Thema ‚China’ bei der Auslandsgesellschaft in Dortmund.

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„Unsere Erwartungen an den Austausch wurden in vollem Umfang erfüllt“, berichten die begleitenden Studiendirektoren Marion Kadoch und Thomas Holzhausen. Die Auszubildenden konnten nicht nur verschiedene chinesische Logistik- und Produktionsunternehmen sowie sogar eine Zollbehörde kennenlernen, sondern informierten sich auch in Mitarbeitergesprächen über die örtlichen Arbeits- und Lohnbedingungen.

Mit besonderem Interesse besichtigten die beiden Auszubildenden der Firma Fleischhacker GmbH & Co KG die chinesischen Partnerfirmen, die u.a. Blutdruckmessgeräte und Stethoskope herstellen. Sina Loose, 2. Ausbildungsjahr: “Wahnsinn, jetzt kann ich mir endlich vorstellen, wie so ein Blutdruckmessgerät tatsächlich produziert wird. Erstaunlich, wie viel ‚Manpower’ in der Herstellung eines solchen Produkts verborgen ist. Bei der nächsten Bestellung weiß ich nun genau, mit welchem Mitarbeiter ich es auf der chinesischen Seite zu tun habe – dies macht die Zusammenarbeit deutlich einfacher!“

„Der Besuch des gigantischen Tiefseehafens von Shanghai hinterließ bleibende Eindrücke bei den Auszubildenden der Spedition; dagegen wirkt der Hamburger Hafen fast wie eine Miniaturausgabe“, so Thomas Holzhausen.

Besuch der Außenhandelkammer von Shanghai

„Wir hatten auch die Gelegenheit, eine Fahrt nach Taicang durchzuführen, in dem das deutsche Firmenzentrum mit ca. 200 Unternehmen gelegen ist“, berichtet Marion Kadoch.

Besonders interessant verlief der Besuch der Außenhandelskammer in Shanghai, die eng mit der IHK Dortmund kooperiert. Hier erfuhren die Teilnehmer viele aktuelle wirtschaftspolitische Neuigkeiten über die Schwierigkeiten deutscher Unternehmen in Shanghai; so bestehe zurzeit die größte Hürde darin, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und diese auch langfristig zu halten. In China gehört ein regelmäßiger Arbeitsplatzwechsel nach spätestens zwei Jahren buchstäblich zum guten Ton – durch raffinierte Gegenmaßnahmen, z.B. Bezahlung der Krankenkasse der Eltern des Angestellten oder die zügige Verleihung aller möglicher Titel sollen die Mitarbeiter im Unternehmen gehalten werden. Seit einiger Zeit wurde der Mindestlohn für Arbeiter durch die chinesische Regierung deutlich erhöht – Ziel ist die Stärkung des Konsums der Bevölkerung und damit des Wirtschaftswachstums.

Die Tatsache, dass China eine ähnliche Problematik mit einer überalterten Gesellschaft hat, war für viele Teilnehmer neu. Die frühere staatlich verordnete Ein-Kind-Politik wurde zwar vor mehreren Jahren aufgehoben, dennoch können sich viele junge chinesische Eltern nur ein Kind leisten, da die Ausbildungskosten hohe Summen verschlingen.

Der Besuch des Generalkonsulats für Kultur und Bildung der Bundesrepublik Deutschland thematisierte sehr gut die interkulturellen Besonderheiten und Vorurteile auf chinesischer und deutscher Seite. Die Aussagen ‚Deutschland als Land der Tugend, in dem viel gearbeitet aber weniger gelacht wird’ versus ‚China als Land der unzähligen Menschen, die jeden Tag Reis essen’ wurde vielschichtig in Interviews deutsch-chinesischer Paare beleuchtet und hinterfragt.

Ein weiteres Highlight war die Übernachtung bei den chinesischen Gastfamilien – jeder der 11 Teilnehmer konnte eine facettenreiche Geschichte erzählen, die sich z.B. auf das fremdartige Essen, die ungewohnt hohe Anzahl und Fürsorge der Familienmitglieder sowie die Härte der Gästematratze bezog.

Der gemeinsame Unterricht in chinesischer Malerei und Kalligraphie forderte vor allem die künstlerischen Talente der Schüler heraus.

Nach elf Tagen kehrten alle Teilnehmer müde aber glücklich in dem mächtigen A380-Flieger der Lufthansa sicher und wohlbehalten zurück. Als Erinnerung stehen nun die obligatorische ‚Winkekatze’ und die mitgebrachten Essstäbchen auf den heimischen Schreib- und Esstischen und erinnern an eine fast unwirkliche Zeit auf der anderen Seite der Erde.

Die Leistungen der Teilnehmer werden durch ein chinesisch-englisches Zertifikat dokumentiert, dass ihnen auf ihrem späteren beruflichen Werdegang sicherlich wichtige Dienste leisten wird – denn einen Asienaufenthalt im Rahmen der betrieblichen Ausbildung haben nicht viele Auszubildende vorzuweisen.